Cynar

cynar

Cynar ist ein in Italien sehr populärer Amaro (Bitterlikör), der auf der Basis von Artischockenblättern hergestellt wird, und von der Artischocke (wiss: Cynara cardunculus) leitet sich auch sein Name ab. Elf weitere in verschiedenen Dosierungen zugefügte Pflanzen bzw. Kräuter sowie vor allem Alkohol sorgen dafür, dass Cynar kein Artischockensaft, sondern ein leckerer Amaro ist. 1948 wurde er unter dem etwas sperrigen Namen CaB1 erfunden, und zwar durch die Firma des Gian Battista Pezziol, der schon im 19. Jahrhundert den italienischen Zabaione-Eierlikör VOV erfunden hatte. 1952 wurde Cynar dann auf den Markt gebracht, wurde schnell populär und rangierte bereits 1955 auf Platz 3 der beliebtesten Aperitivi (nach Campari Soda und Bitter Campari).[1] Einen gehörigen Anteil an diesem Erfolg hat neben dem Geschmack sicherlich besonders die Cynar-Werbung, die oft mit innovativen Werbestrategien auf das Produkt aufmerksam machte. Seit 1995 gehört Cynar zur Campari-Gruppe, wird jedoch weiterhin in Padua hergestellt.

Wer einen cynarähnlichen Likör gerne einmal selbst herstellen möchte, sei auf zwei (von mir allerdings noch nicht getestete) Rezepte aufmerksam gemacht, in denen die Herstellung beschrieben wird: Rezept von Rita und von Casa e giardino.

Cynar-Werbung

Werbung ist bekanntlich unverzichtbar, um ein Produkt zu verkaufen. Das Produkt muss nicht nur gut sein, sondern auch bekannt, und das erreicht man am besten mit einer Aufmerksamkeit erregenden Werbung. Dies hat die Firma Cynar frühzeitig erkannt und ihr Produkt vor allem im Fernsehen durch innovative Werbestrategien beworben. Eine Plattform hierfür bot die tägliche Werbe-Sendung Carosello der RAI, in der von 1957 bis 1977 mit Kurzfilmen, Animationen und Puppenspielen Produkte beworben wurden. Cynar setzte dabei besonders auf den bekannten Schauspieler Ernesto Calindri, der als Hauptperson in kleinen Familiengeschichten, aber auch in kurzen Werbeclips von 1966 bis 1984 in Erscheinung trat. Am bekanntesten war sicherlich der Clip, in dem Calindri an einem Tischchen auf einer Piazza sitzend vom Autoverkehr umtost seelenruhig einen Cynar genießt. Der dabei benutzte Slogan „Contro il logorio della vita moderna“ (dt. sinngemäß: Gegen das Aufgeriebenwerden durch das moderne Leben) traf genau das Produktimage, mit dem man Cynar bewarb und war so populär, dass er in den allgemeinen Sprachgebrauch Eingang fand und man sich 2007 zu einem Remake des Werbeclips entschloss, in dem nunmehr die Rockband Elio e le Storie Tese Calindri ersetzte. Erschien die Werbung mit Calindri – wenn auch den Zeitgeist treffend – zunehmend etwas bieder-altbacken, setzte man nun mit Elio e le Storie Tese (dt.: Elio und die angespannten Geschichten) einen besonders modernen Akzent, denn die Rockgruppe war schon musikalisch für experimentelles Blödeln bekannt. Einen weiteren Höhepunkt erfuhr die Zusammenarbeit mit Elio e le Storie Tese in den 2010 produzierten sechs Werbeclips, in denen die Bandmitglieder als Anstreicher, Designer, Gondolieri usw. auftraten und typische Orte Italiens ironisch auf’s Korn nahmen.

 

Der originale Cynar enthält 16,5 % vol Alkohol und kann insofern auch pur genossen werden, doch oft stellt man mit dem Amaro Longdrinks her. Klassisch ist das „Verlängern“ mit Tonic, Soda, Bitter Lemon, Cola u.ä., aber auch als Spritz (mit Weißwein und Soda) oder als Cocktail mit weißem Vermouth oder anderen Alkoholika gemischt wird er gern getrunken. Aufgrund seines leicht herb-bitteren Geschmacks scheint zum Mischen mit einem Fruchtsaft besonders die Grapefruit geeignet, die ähnliche Geschmacksmerkmale hat und den Longdrink Cynar con pompelmo entstehen lässt.

Cynar schmeckt übrigens als Aperitiv nicht nur vor dem Essen, sondern aufgrund des enthaltenen verdauungsfördernden Cynarins trinkt man ihn auch gern als Digestiv.

 

 

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  1. Vgl. https://it.wikipedia.org/wiki/Cynar (Letzter Zugriff: 14.08.20)

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