Ernährung und Treibhausgase

Was hat Ernährung mit Treibhausgasen zu tun? Was sind CO₂-eq? Und was hat das alles mit unseren Rezepten zu tun? Wir versuchen eine kurze Erklärung und stellen unsere CO₂-Fußabdruck-Label vor.

 

CO2-emissionen

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Urheber: ricochet64 (123RF)

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Du vermisst unsere Angaben zur Umweltverträglichkeit bei einem Rezept?
Wir bitten um etwas Geduld – es kann ein paar Tage dauern, bis die Werte berechnet sind.

 

Treibhausgase
Wir alle wissen, dass es mit der Klimaentwicklung nicht zum Besten bestellt ist. Eines der vielen Probleme ist die Entwicklung der Treibhausgase, die langfristig unser Klima verändern. Diese zu verringern, haben sich die Teilnehmer des Pariser UN-Klimagipfels 2015 verpflichtet. Um den globalen Temperaturanstieg weltweit auf möglichst 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, sind weltweit jährliche CO₂-Emissionssenkungen von 7,6 % bis 2030 notwendig. Dabei handelt es sich genauer gesagt nicht nur um CO₂-Treibhausgase im engeren Sinne, denn Treibhausgase gibt es viele. Um die Gesamtheit aller Treibhausgase zu erfassen, rechnet man deshalb andere Treibhausgase in sogenannte CO₂-Äquivalente oder kurz CO₂-eq um.[1]

 

Ernährung und Treibhausgase
Treibhausgase entstehen nicht nur beim Autofahren oder bei Flugreisen. Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Treibhausgasen. Nach Angaben der EU sind mindestens 20 % unseres Treibhausgasaustoßes durch Anbau, Verarbeitung, Transport und Verzehr von Nahrungsmitteln bedingt.[2]

 

Fairness
Fair wäre es, wenn die Menge der ausgestoßenen Treibhausgase auf alle Menschen gerecht verteilt würde. Momentan liegt die EU (nach China und den USA) auf Platz 3 der für die weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlichen Staaten(gruppen).[3] Gemessen an ihrem Anteil an der Weltbevölkerung haben EU-Bürger damit einen überdurchschnittlich hohen Treibhausgasausstoß zu verantworten, was im Grund genommen dem Gedanken der Fairness widerspricht und weshalb wir hier besonders in der Verantwortung stehen.

 

Faire tägliche Nahrungsmittelemissionen
Die Fragestellung ist die: Wie viele Treibhausgase dürfen wir unter dem Aspekt der Fairness täglich durch unsere Ernährung verbrauchen?
Geht man (bezogen auf die vorliegenden Daten des Jahres 2018) davon aus, dass weltweit 4,95 Milliarden t CO₂-eq ausgestoßen wurden, und teilt dies durch die Weltbevölkerung (7,6 Milliarden Menschen) und berücksichtigt ferner das Ziel, die Treibhausgaseemissionen jährlich um 7,6 % zu senken, dann stehen gewissermaßen jedem Erdenbewohner im ganzen Jahr 2020 5.561 kg CO₂-eq zu.[4] Kalkuliert man auch noch mit ein, dass 20 % der Emissionen auf die Ernährung entfallen, dann dürften wir pro Tag 3,05 kg CO₂-eq für unsere Ernährung verbrauchen.

 

Und nun?
3,05 kg CO₂-eq – das entspricht wie vielen Pizzen? Wir wissen es nicht und können es auch nicht berechnen. Deshalb haben wir den Service der Firma MyEmissions.green abonniert, die für unsere Rezepte die CO₂-eq-Emissionen pro Portion ausrechnet und regelmäßig aktualisiert. So kann man bei jedem Gericht sehen, wie groß der jeweilige CO₂-Fußabdruck ist – und seine Ernährung vielleicht auch auf diesen hin ausrichten. Manche Nahrungsmittel haben hohe CO₂-eq-Werte (z.B. Rindfleisch und Milchprodukte), andere geringere. Beispielsweise sind mit einem Stück unseres leckeren Orangen-Mürbeteig-Kuchens (Crostata di arance) bereits 10 % unseres Tageskontingents vertilgt, und mit einem 125 g schweren Stück Rindfleisch hat man das Tageskontingent bereits um 78 % überschritten. Wenn man es erst meint mit dem persönlichen Beitrag zum Klimaschutz, dann ist also schnell Schmalhans der Küchenmeister…

 

Was tun?
Gutes Essen ist natürlich für uns als Foodblogger besonders wichtig und es geht nicht darum, euch oder uns die Freude an gutem Essen zu nehmen! Nur: Wir sollten uns bei unserem Essverhalten über die ökologischen Konsequenzen bewusst sein und auch bereit sein gegenzusteuern. Was also kann man tun?

  • Es gibt auch viele leckere Gerichte mit niedrigen CO₂-eq-Werten, und es muss ja nicht jeden Tag Rindfleisch sein. Eine auf Rindfleisch oder Lamm basierende Mahlzeit hat bspw. durchschnittlich ein Vierfaches der CO₂-eq-Werte einer vegetarischen und immer noch das Doppelte einer auf Schwein oder Huhn basierenden Mahlzeit.
  • Der größte Teil der CO₂-Emissionen fällt zwar bei der landwirtschaftlichen Produktion selbst an, aber auch Transport und Verpackung spielen eine Rolle. Muss also für ein leckeres italienisches Menü wirklich aus Italien importiertes Mineralwasser auf den Tisch, oder tut es auch ein Mineralwasser aus der Region?
  • In der kalten Winterjahreszeit gibt es naturgemäß kein heimisches frisches Obst zu kaufen. Mit dem Flugzeug aus Afrika oder Südamerika importierte Lebensmittel bereichern zwar das Angebot, treiben jedoch die CO₂-Emissionen überdurchschnittlich nach oben.
  • Und wer unbedingt an seinem Essverhalten festhalten will, der hat in seinem Alltagsleben viele andere Möglichkeiten, CO₂ einzusparen (z.B. Brötchenholen mit dem Fahrrad statt mit dem SUV 😉 ).

 

Blick in die Zukunft
Wie es wohl auch mit der CO₂-Kennzeichnung von Produkten weitergehen wird, zeigen die derzeitigen Diskussionen über die Fleischproduktion und die Lebensmittelampel[5] recht anschaulich: Seit Jahren wird ein Label gefordert, das nicht nur die ökologische Qualität der Produkte garantiert (Bio-Siegel), sondern auch die tiergerechte Haltung von Nutztieren („Tierwohl“) dokumentiert, doch die konventionelle Landwirtschaft und die Fleischindustrie sperren sich gegen ein solches Vorhaben. Die Lebensmittelindustrie stemmt sich ebenfalls gegen die Einführung der Lebensmittelampel, die den Anteil von Kalorien, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz kennzeichnen soll – das Ausweisen von CO₂-eq-Werten ist hier noch nicht einmal geplant! Dies wäre jedoch mindestens der erste notwendige Schritt. Ein solcher würde aber allenfalls uns Verbraucher über die jeweiligen Werte informieren, doch auch nicht mehr. Notwendig wäre hingegen, endlich Schluss zu machen mit einem System, das die ökologischen Folgekosten individuellen Konsums der Allgemeinheit aufbürdet. Wenn die Umweltkosten bei der Produktion von Rindfleisch eben x-mal so hoch sind wie die bei der Produktion von Hühnerfleisch, dann muss sich das auch in den Preisen für die Verbraucher zeigen. Diese Folgekosten zu beziffern und dafür Sorge zu tragen, dass sie nicht von der Allgemeinheit geschultert werden müssen, sondern vom jeweiligen Verbraucher selbst zu tragen sind, ist Aufgabe des Staates, denn der viel beschworene Markt regelt dies in unserer Marktwirtschaft leider nicht von selbst. Bis dahin ist es vermutlich noch ein weiter Weg, doch einen bescheidenen Beitrag zur Verkürzung dieses Wegs zu leisten, ist unsere Absicht, wenn wir unsere Rezepte seit Januar 2021 mit CO₂-eq-Werten versehen. Und dass wir dies als erste deutschsprachige Koch-Seite tun, erfüllt uns ein wenig mit Stolz.

 

mano italiana  Wer die CO₂-Werte einzelner Grundnahrungsmittel in Erfahrung bringen möchte, findet diese in CO₂-Rechnern. Einen solchen gibt es z.B. bei MyEmissions.green. Einen sehr schönen Rechner hat auch Klimatarier.com, bei dem sich auch ganze Menüs zusammenstellen lassen.

 

 

 

 

Fußnoten    (↵ zurück zum Text; ggf. geschlossenen Text zunächst öffnen)

  1. Bspw. hat 1 Tonne Methan das Treibhauspotenzial von 21 Tonnen CO₂, wird also als 21 t CO₂-eq berechnet. Vgl. auch http://www.agenda21-treffpunkt.de/lexikon/CO2-%C3%84quivalent.htm (Letzter Zugriff: 06.02.2020)
  2. Vgl. https://appsso.eurostat.ec.europa.eu/nui/show.do?dataset=env_ac_io10&lang=de (Letzter Zugriff: 06.02.2020)
  3. Vgl. https://www.wri.org/blog/2020/12/interactive-chart-top-emitters (Letzter Zugriff: 06.02.2020)
  4. Vgl. https://myemissions.green/understanding-the-fair-daily-food-emissions-value/ (Letzter Zugriff: 06.02.2020)
  5. Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Lebensmittelampel (Letzter Zugriff: 06.02.2020)

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