Test: La tradizione in tavola von ItalianMyFood

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Nun bin ich also auch eine Influencerin 😉 . Jedenfalls habe ich von der Firma ItalianMyFood ein üppiges 2-Personen-Menü zum Testen bekommen. Der Titel des Pakets La tradizione in tavola klingt verheißungsvoll und passt bestens zu der Art von Gerichten, die wir auf unseren Seiten vorstellen, und so waren wir sehr gespannt und haben das Angebot der Firma ItalianMyFood, die ihren Sitz im schönen Alba hat, gern angenommen.

 

alba
Alba (CN)

 

Das Paket enthält ein (nahezu) komplettes Menü bestehend aus Antipasto, Primo, Secondo und Dessert. Die Rezepte stammen aus der Langhe im Piemont, einer vor allem durch Weinanbau und kulinarische Highlights (z.B. Trüffel) bekannten Region. Weine werden neben verschiedenen Gerichten übrigens auch von ItalianMyFood vertrieben. Wenn der Postbote mit dem Paket klingelt, darf man natürlich kein dampfendes Menü erwarten, denn ein wenig ergänzt und gekocht werden muss schon noch. Den Paketinhalt mit „Zutaten“ zu umschreiben, wäre aber auch falsch, denn das Meiste ist schon getan: die Saucen werden bereits fertig im Gläschen geliefert, die Nudeln sind auch fabriziert und so muss eigentlich nur noch etwas Fleisch gebraten und das Übrige erwärmt werden. Alle Gerichte werden mit einer Rezept-Karte geliefert, auf dem über das Gericht, die Zutaten und Zubereitung bis hin zu den Nährwerten informiert wird. Aber nun zu dem Gebotenen:

 

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Antipasto: La Faraona e i colori dell’orto

(Perlhuhn und die Farben des Gartens)

Perlhuhn ist ein in Deutschland selten zu bekommendes Fleisch, und so waren wir sehr auf das als Antipasto angebotene Perlhuhn gespannt. Das im Italienischen faraona genannte Tier ist eine etwa fasangroße Hühnerart, die eigentlich in Afrika südlich der Sahara beheimatet ist, doch mittlerweile auch außerhalb Afrikas gezüchtet wird. Auch in der italienischen Küche gehört Perlhuhn eher zu den Raritäten, aber es gibt tatsächlich auch aus dem Piemont verschiedene Perlhuhngerichte. Das Perlhuhn ist sehr kalorienarm und schmeckte vor allem sehr lecker! Das bereits gegarte (vermutlich gekochte) und in Bröckchen zerkleinerte Fleisch wird in Öl eingelegt in einem Gläschen geliefert und braucht nur noch ausgetan zu werden. Allerdings fielen die „Farben des Gartens“ etwas blass aus, denn das Gläschen enthielt primär Fleisch, so dass wir noch ein wenig Salatbett als Unterlage benötigten, um die Farben des Gartens erstrahlen zu lassen. Auf die Möglichkeit zur Ergänzung durch Salat oder ein Gemüse-Ratatouille wird auf der Rezeptkarte zwar auch hingewiesen, wobei es allerdings praktisch wäre, diesen Hinweis auch in der Spalte „Was brauche ich?“ zu platzieren.

 

italianmyfood ravioli

 

Primo: Ravioli al plin agli arrosti con ragù del macello

(Ravioli al plin mit Braten und Fleisch-Ragout)

Ravioli al plin sind eine spezielle Form gefüllter Pasta. Eigentlich nennt man sie agnolotti al plin, wobei sowohl der Begriff agnolotti als auch der Begriff plin als piemontesische PAT-Produkte registriert sind (der Begriff ravioli hingegen nicht). Auf jeden Fall stammen sie aus der Langhe und sind besonders durch ihre relativ geringe Größe gekennzeichnet. Gefüllt sind sie mit einem Klecks einer Mischung aus Rinder- und Schweinebraten (auf der Rezeptkarte ist auch noch von Kaninchen die Rede, doch das fehlt bei den angegebenen Zutaten …), der zwischen zwei Teigplatten positioniert wird, die dann nach dem Schneiden mit einem plin (dialektal für it. pizzicotto, dt. Kneifen, Kniff) geschlossen werden. Die Qualität hängt natürlich von den Zutaten ab – unsere Ravioli al plin waren köstlich! So lecker, dass wir dem Hinweis auf der Rezeptkarte weitgehend gefolgt sind und sie ohne das mitgelieferte Ragù del macello genossen haben.
italianmyfood ragù
Das Ragù besteht nämlich ebenfalls aus aus einer Mischung aus Rind- und Schweinefleisch, das ebenfalls sehr lecker ist, aber den Geschmack der Plin zu sehr überdeckt, so dass man das Ragù eher für ein anderes Nudelgericht nutzen sollte. Ein kleineres Manko war, dass bei Lieferung des Ragùs der Deckel des Gläschens nur lose auflag und die Papier-„Banderole“ auch schon durchgerissen war. Auf dem Foto kann man sehen, dass bei ganz aufgeschraubtem Deckel die „Banderole“ versetzt verläuft. Dies tat aber der Qualität keinen Abbruch.

 

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Secondo: Costata di vitello piemontese disossata

(Knochenloses piemontesisches Kalbskotelett)

Ein riesiges knochenloses Rippenstück Fleisch (550 g) erwartete uns, das durch Eis gut gekühlt bei uns eintraf. Die Kochanleitung ist sehr differenziert. Wir haben die Variante „gut durchgebraten“ gewählt, die allerdings immer noch ein ziemlich blutiges Fleisch zur Folge hatte (siehe Foto), aber da kann man mit ein paar Minuten längerer Verweildauer im Ofen nachjustieren. Geschmacklich war das Fleisch ausgezeichnet, auch schön zart. Kein Fleisch von einem alten „Klepper“ also, doch die Benennung des Gerichts als di vitello ist irreführend, denn unter dem Stichwort „Zutaten“ wird das Fleisch als „Lendenstück vom erwachsenen Rind“ ausgewiesen, und das ist definitiv kein Kalb. Ein Rind, das als Kalb (it.: vitello) verkauft wird, muss nach der europäischen Vereinheitlichung der Fleischbezeichnungen unter 8 Monaten alt sein,[1] auch ein vitellone (dt: Jungrindfleisch, 8 bis unter 12 Monate) war es nicht, sondern eben ein erwachsenes Rind (it.: bovino adulto), was mindestens 12 Monate alt ist.[2] Interessiert hätte uns auch, von welchem Rind das Fleisch stammt. Die Frage erscheint auf den ersten Blick vermutlich etwas spitzfindig, doch da der Hersteller auf der Seite Typische IGP und DOP Produkte das Fassona-Rind besonders herausstellt, wäre es schön zu wissen, ob wir dieses nun auch genießen durften.
Gegessen wird das Fleisch übrigens nicht pur, sondern mit Bagnetto rosso (Bagnèt ross), einer landestypischen roten Fleischsauce aus mitgeliefertem Gläschen. Im Vergleich zu unserem eigenen Bagnetto rosso-Rezept war sie etwas kräftig, doch das ist sicherlich Geschmackssache.

 

italianmyfood dessert

 

Dessert: Pesche cacao amaretti

(Pfirsiche, Kakao und Makronen)

Hinter Pesche cacao amaretti verbirgt sich eine Art Mus, das vor allem aus Pfirsichen, Kakao und Amaretti besteht und ein typisches Dessert des Piemonts ist. Wir haben auf unseren Seiten bereits Pesche ripiene all’amaretto vorgestellt, bei dem die im Ofen gebackenen frischen Pfirsiche mit den gleichen Zutaten gefüllt werden – bei Pesche cacao amaretti werden die Zutaten hingegen zu einem (dann auch außerhalb der Pfirsich-Saison genießbaren) Mus zusammengefügt. Empfohlen wird, das Mus zusammen mit Sahneeis oder Joghurt zu genießen. Wir haben uns für die Joghurt-Variante entschieden und fanden das Dessert sehr lecker.

 

Fazit: Insgesamt hat uns das Menü gut gefallen. Das Paket La tradizione in tavola enthält tatsächlich klassische piemontesische Gerichte mit guten Zutaten, die in Deutschland nur schwer zu bekommen sind. Anhand der Rezepthinweise kann das Menü mit wenig Aufwand zu Hause realisiert werden, wenn wir uns auch ein wenig mehr zusätzliche Hintergrundinfos über die Gerichte, deren Geschichte und die verwendeten Zutaten gewünscht hätten, aber das ist sicherlich der besonderen Ausrichtung von Authentisch-italienisch-kochen.de geschuldet. Die Portionen sind reichlich, und auch der Preis für ein 2-Personen-Menü ist mit aktuell (November 2020) 56,50 € akzeptabel. Doch wir wollen nicht zu viel loben – schließlich sind wir Verfechter des Selbstkochens … 😉

 

italianmyfood gutschein

 

 

 

 

Fußnoten    (↵ zurück zum Text; ggf. geschlossenen Text zunächst öffnen)

  1. Bis zur europäischen Vereinheitlichung galten in Italien sogar nur Tiere unter sechs Monaten als Kalb. Vgl. http://www.ministerosalute.it/imgs/C_17_pubblicazioni_536_allegato.pdf. (Letzter Zugriff: 10.11.20)
  2. Die Gruppe der erwachsenen Rinder ist wiederum in fünf Untergruppen aufgeteilt. Vgl. http://www.supercarni.it/vitello-vitellone-bovino-manzo-differenze/. (Letzter Zugriff: 10.11.20)

Ein Gedanke zu “Test: La tradizione in tavola von ItalianMyFood

  • 13. November 2020 um 8:09
    Permalink

    Liebe Matta,
    in Zeiten, die Kontaktarmut verordnen, ist dieses „Fress-Paket“ sicher eine schöne Geschenkidee für liebe Menschen, die man zu den Festtagen gerne am eigenen Esstisch bewirtet hätte, die selbst aber wenig talentiert in der Küche sind.
    Vielen Dank für´s Testen und Posten!
    Herzliche Grüße
    Christa

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