Italienische Weine

Das Thema Italienische Weine ist ein breites Feld. Wir gehen kurz ein auf Rebsorten, Weinnamen, Produktionsvolumen, Qualitätsstufen, Inhaltsstoffe (wie Tannin und Aromen) und vor allem auf die Frage, welcher Wein zu welchem Gericht am besten passt.

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Traubenreife an Ferragosto (15.08.)

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Das Thema Italienische Weine ist nahezu unerschöpflich, so dass ein Beitrag in diesem Rahmen allenfalls eine übersichtsartige Einführung sein kann. Etwas mehr Übersichtlichkeit verdanken wir der Reblaus, die aus Amerika nach Europa eingeschleppt wurde und im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts viele Weinstöcke in Europa vernichtete. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es in Italien tausende von Rebsorten. Allein im Oltrepò Pavese, dem größten Weinanbaugebiet der Lombardei, waren 260 verschiedene Rebsorten bekannt. Durch das Wüten der Reblaus, gegen die damals kein Mittel bekannt war, ist die Lage heute übersichtlicher: Nur noch ca. 1000 Rebsorten sind in Italien registriert, von denen ca. 400 in den DOC-Regeln (s.u.) zugelassen oder empfohlen sind. Die wichtigsten italienischen Sorten sind Barbera, Montepulciano, Nebbiolo, Sangiovese (alle rot) sowie Malvasia und Trebbiano (beide weiß). Außerdem werden natürlich internationale Rebsorten wie Merlot (rot) oder Chardonnay (weiß) angebaut. Eine Liste von über 300 populären in Italien angebauten Rebsorten findet sich hier.

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Toskanische Hügellandschaft mit Wein- und Olivenanbau

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Die Rebsorte gibt vielen Weinen ihren Namen, bspw. dem bekannten Rotwein Barbera. Besteht ein Wein – wie der Barbera – nur aus einer Rebsorte, nennt man dies einen Sortenwein. Neben Sortenweinen gibt es jedoch auch gemischtsortige Weine, bei denen mehrere Rebensorten gemeinsam gekeltert werden, sowie Cuvée-Weine, bei denen Weine unterschiedlicher Rebsorten miteinander verschnitten werden. Dies mag auf den ersten Blick auf mindere Qualität hindeuten, doch dieser Eindruck ist falsch, denn das Mischen erlaubt den Ausbau eines Weins mit bestimmten Geschmacksqualitäten. Ein klassischer Gemischtsortenwein ist bspw. der toskanische Chianti, der mindestens 80 % Sangiovese-Trauben enthalten muss, die oft mit anderen roten Trauben, etwa der italienischen Rebsorte Canaiolo oder der französischen Merlot, gemischt werden. Der Name Chianti leitet sich dabei also nicht von der Rebsorte ab, sondern von dem zwischen Florenz und Siena gelegenen Anbaugebiet Chianti. Anbaugebiete sind die häufigsten Namensgeber für Weine. Außerdem können Weinnamen auch noch Phantasie-Bezeichnungen oder Firmen-Namen sein.

Weissweinglas

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Der Name eines Weins sagt somit allenfalls etwas über das Anbaugebiet oder die verwendete Rebsorte aus, doch auch nicht mehr. Die italienische Weinproduktion war anfang der 60er Jahre ziemlich unübersichtlich, gute Weine waren kaum von schlechteren zu unterscheiden, weshalb die italienischen Weine nicht unbedingt den besten Ruf hatten. Die Situation verbessern und die Qualität des italienischen Weins heben sollte das nach französischem Vorbild 1963 eingeführte DOC-Siegel. Dies ist die Abkürzung von Denominazione di origine controllata und bedeutet so etwas wie eine kontrollierte Ursprungsbezeichnung. DOC signalisiert dem Verbraucher, dass ein Wein in einem bestimmten Gebiet aus vorgeschriebenen Rebsorten und nach ebenfalls vorgeschriebenen Methoden erzeugt wurde. Das damit verbundene Regelwerk ist natürlich nicht so engmaschig wie eine mittelalterliche Zufunftordnung, so dass den Weinproduzenten genügend Möglichkeiten blieben, ihren DOC-Wein individuell auszubauen. Dass manchmal auch schwache DOC-Weine das Ergebnis waren, führte im Folgenden zur Einführung des höherwertigen Qualitätsmerkmals DOCG (Denominazione di origine controllata e garantita), das eben auch die Qualität eines Weins garantieren sollte.[1] Derzeit (2020) werden in Italien 75 DOCG- und 331 DOC-Weine hergestellt[2]. Wo diese DOC(G)-Weine, die 46 % der Weinmenge ausmachen,[3] angebaut werden und aus welchen Rebsorten sie bestehen, kann man wunderbar in einem nach Regionen gegliederten PDF der Federdoc nachvollziehen. Zu den DOC(G)-Weinen kommen 118 Weine, die 32 % der Weinmenge darstellen und in einer niedrigeren Qualitätsstufe namens IGP zusammengefasst sind.[4] Diese Weine sind dann qualitativ formal eine Stufe unter den DOC-Weinen eingeordnet, doch sie müssen nicht unbedingt qualitativ schlechter sein. Beispielsweise lohnt es sich bei einer kleinen Ertragsmenge für den Winzer meist gar nicht, seinen Wein aufwendig als DOC- oder DOCG-Wein klassifizieren zu lassen, da durch das Prüfungsverfahren Aufwand und Nutzen in keinem angemessenen Verhältnis mehr stehen, weshalb dann ein hochwertiger Wein mit dem einfacher zu erlangenden IGP-Siegel versehen wird. Oder er erhält gar kein Siegel und gehört dann zu den zahlreichen (Tafel-) Weinen (Vini generici), die in keiner der drei genannten Qualitätsstufen gelistet sind und 22 % der Weinproduktion umfassen. Auch diese können qualitativ hochwertig sein!

italienische weine chianti
Eigentlich sollte das System der Qualitätsstufen helfen, die Weine besser einschätzen zu können. Ein wenig zurückgenommen wird dieser Effekt jedoch dadurch, dass mitunter – wie man hier am Beispiel des Chianti sehen kann – innerhalb einer Qualitätsstufe zahlreiche Untersorten existieren, die die Sache wiederum verkomplizieren.

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Masse ist nicht unbedingt Klasse, aber auch quantitativ liegt Italien ganz vorn bei der Weinproduktion, ja belegte 2019, was die weltweite Weinherstellung anbelangt, mit 47,5 Mio. Hektolitern sogar Platz 1,[5] wobei die Gesamtrebfläche 2018 ca. 675.818 Hektar betrug, was immerhin knapp der Fläche der Region Fruili – Venezia Giulia entspricht. vAuch als Weinexporteur ist Italien mit 21,6 Mio. Hektolitern weltweit die Nummer 1. Darunter sind natürlich auch viele „Massenweine“, die besonders in Venetien, auf das ca. 24 % der italienischen Weinproduktion entfallen,[6] hergestellt werden und nicht unbedingt bester Qualität sind. Italien ist aber nicht nur heute Spitzenreiter in Sachen Wein. Schon in der griechischen Antike war Italien als Weinland bekannt: Oinotria hieß ein bereits um 500 v.Chr. bestehendes Königreich in Süd-Kalabrien. Der Name leitet sich wahrscheinlich vom griechischen Wort für Wein, nämlich oinos, her, denn charakteristisch für die Gegend waren viele Weinberge.

weinlese in pompei
Das Fresko aus einer Art Gaststätte in Pompei, dem Thermopolium des Lucius Vetutius Placidus, zeigt eine Szene der Weinlese in der Antike. Rechts außen ist der Weingott Bacchus zu erkennen. Bis zu seinem Untergang 79 n.Chr. war Pompei ein bedeutendes Weinzentrum und versorgte u.a. die Hauptstadt Rom mit Wein.

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Was in unserem Kontext vermutlich am meisten interessiert, ist die Frage „Welcher Wein passt zu welchem Gericht?“. Natürlich gibt es traditionelle Faustregeln wie z.B. die, dass zu Fisch und hellem Fleisch am besten ein weißer Wein passt, zu dunklem Fleisch hingegen eher ein roter. Doch es kommt bspw. auch auf die Zubereitung an: Zu gegrilltem Fleisch passt z.B. eher ein Rotwein, zu gekochtem eher ein Weißwein, sagt man. Das mag tendenziell funktionieren, doch zu berücksichtigen ist auch, dass man beim Hauptgang meist mehrere Speisen gleichzeitig auf dem Teller hat: Fleisch/Fisch und eine Beilage. Und der Wein sollte natürlich zu beidem passen. Am besten, man schaut ein wenig auf die typischen Merkmale eines potentiellen Weins. Rotweine sind bspw. in unterschiedlichem Maße tanninhaltig. Tannin ist ein Gerbstoff, der in nennenswertem Maße nur in roten Trauben vorkommt. Ein Vorteil des Tannins ist, dass es Sauerstoff bindet, wodurch Rotweine oft lange lagerfähig sind, wohingegen die kein bis kaum Tannin aufweisenden Weißweine nur relativ kurz haltbar sind. Da Tannin ein leicht bitteres Aroma hat, passen tanninhaltige Weine nicht so gut zu Speisen, die ihrerseits viele Bitterstoffe enthalten, wie dies bspw. bei Artischocken und Karden der Fall ist, die deshalb besser mit einem Weißwein genossen werden. Besonders wichtig hinsichtlich unserer Ausgangsfrage sind auch die Aromen, die einen Wein kennzeichnen und die auf unterschiedlichste Art in den Wein kommen. Wie nachstehendes (leider nicht auf Deutsch verfügbares) Schaubild zeigt, gibt es ganz viele solcher Aromen, die einen Wein charakterisieren können, weshalb man bei der Wahl des Weins darauf achten sollte, ob das spezifische Aroma zu der jeweiligen Speise gut passt bzw. sich die Aromen von Wein und Speise ergänzen.

aromen
Wein-Aromen

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Wer ganz auf Nummer Sicher gehen will, der vertraut dem Rat eines Experten. Wir freuen uns, dass all unsere Gerichte, zu denen ein Gläschen Wein passt, eine spezielle Weinempfehlung aufweisen. Mit großem Engagement und ebenso großer Sachkenntnis empfiehlt unserer Kooperationspartner Bremer-Wein zu jedem Gericht den dazu passenden Wein. Damit schmeckt das Essen noch besser, denn der richtige Wein lässt den Geschmack der Speise noch besser zur Geltung kommen. Die Weine lassen sich ebenso wie viele authentische italienische Lebensmittel von Bremer-Wein beziehen.

 

 

 

Fußnoten    (↵ zurück zum Text; ggf. geschlossenen Text zunächst öffnen)

  1. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, das im Zuge der EU-weiten Neuordung die Qualitätsstufen DOC und DOCG nunmehr in der neuen Qualitätsstufe DOP zusammengefasst sind, jedoch nach wie vor verwendet werden dürfen, da für sie Bestandsschutz gilt.
  2. Vgl. Elenco alfabetico Vini DOP italiani (Letzter Zugriff: 21.08.20)
  3. Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Weinbau_in_Italien; Angaben für 2017 (Letzter Zugriff: 21.08.20)
  4. Früher IGT; vgl. Elenco alfabetico Vini IGP italiani (Letzter Zugriff: 21.08.20)
  5. Vgl. https://winenews.it/it/produzione-in-calo-consumi-stabili-il-punto-oiv-sul-mercato-del-vino-al-2019_415176/ (Letzter Zugriff: 21.08.20)
  6. Vgl. https://www.ilsole24ore.com/art/produzione-vino-giu-16percento-ma-l-italia-resta-prima-classifica-AC9f3kh (Letzter Zugriff: 21.08.20)

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