Mispeln

Mispeln sind Früchte, die zwar altbekannt, jedoch nicht allseits bekannt sind. Die auf Italienisch Nespole (giapponesi) genannten Früchte sind aber unbedingt eine nähere Bekanntschaft wert.

 

mispeln

 

Wenn ihr auf dem Markt oder im Gemüsegeschäft etwas seht, was wie Aprikosen mit Transportschäden (dunklen Streifen und Flecken) aussieht, dann habt ihr Mispeln entdeckt. Und die haben außer einer tendenziell orangefarbenen Haut und einer ähnlichen Größe wenig mit Aprikosen gemein. OK, lecker sind beide Früchte, doch Mispeln sind etwas saftiger als Aprikosen und haben natürlich einen anderen Geschmack. Ihr – sagen wir: unvorteilhaftes Äußeres gereicht ihnen natürlich insbesondere in einer Welt, in der alles auf Ästhetisierung und Perfektionierung getrimmt zu sein scheint, nicht gerade zum Vorteil, doch geschmacklich haben Mispeln durchaus etwas zu bieten. Als Obst zum „so essen“ taugen sie durchaus, doch primär werden sie für Marmeladen und Kompotts benutzt, aber auch für das eine oder andere salzige Gericht sind sie hervorragend geeignet. Aufgrund ihres leicht süß-sauren Geschmacks sind Mispeln natürlich besonders für süß-saure Gerichte wie z.B. Pollo con nespole in agrodolce oder Riso alle mespole prädestiniert. Mit Mispeln kann man auch einen Obstschnaps (nespolino) ansetzen.[1]

 

Mispeln am Baum
Mispeln am Baum

 

Um Verwechselungen auszuschließen: Unter Mispeln verstehen wir hier nicht die sogenannte Echte Mispel bzw. (lat.) Mespilus germanica (die trotz des Namens nicht aus Deutschland, sondern aus dem Kaukasus stammt, sehr sauer schmeckt, steinhart ist und erst im Herbst reif wird), sondern die Japanische Wollmispel (lat.: Eriobotrya japonica). Diese kommt, wie der Name schon andeutet, aus Südost-Asien und wurde ab Ende des 18. Jahrhunderts auch im Mittelmeerraum angepflanzt, zunächst (wie die Tomate) als Ziergewächs, doch dann auch der Früchte wegen. Als Kernobst enthalten diese in der Regel (je nach Größe der Frucht) zwei bis vier Kerne, die ebenso wie deren Umhüllung vor dem Verzehr der Frucht entfernt werden müssen. Entfernen sollte man möglichst auch die Schale, die sich meist nach dem Einritzen der leicht länglichen Frucht gut abziehen lässt. Die dunkleren Streifen und Flecken der Schale sind übrigens nur bedingt ein Zeichen des Alterns der Frucht: Ein wenig braune Flecken zeigen die Reife der Früchte an, weitere entstehen beim Transport, denn Mispeln haben eine sehr empfindliche Oberfläche. Die Verfärbungen sind dem Geschmack jedoch nicht abträglich und kein Zeichen von „Gammel“.

 

Die Reife erreichen die Früchte übrigens in Italien ab Ende Mai, und ab Juni gelangen sie auch in Deutschland auf den Markt – sofern sie angeboten werden. An gut sortierten Obstständen auf Märkten oder in (insbesondere türkischen) Obstgeschäften kann man mit etwas Glück fündig werden. Angeboten werden allerdings meist Früchte aus spanischem Anbau. Die italienischen Anbaugebiete liegen meist auf Sizilien, insbesondere im Großraum Palermo, so Trabia und Caculli. Auch Calatabiano bei Catania ist ein bekanntes Produktionsgebiet.

 

Mispelbaum
Mispelbaum in Teggiano (SA)

 

Der Mispelbaum – im Italienischen nespolo, im Unterschied zur nespola genannten Frucht – ist übrigens immergrün und wird bis zu sieben Meter hoch.

 

Nicht nur geschmacklich haben nespole etwas zu bieten, sondern auch unter gesundheitlichem Aspekt: Die Früchte sind reich an Vitamin A und Kalium und weisen auch höhere Konzentration der Mineralien Phosphor und Magnesium auf. Da Mispeln viel Tannin enthalten, kann man mit ihnen zudem die Darmtätigkeit regulieren: Das in noch nicht reifen Früchten enthaltene Tannin wirkt durchfallhemmend, ist bei der reifen Frucht jedoch in Zucker umgewandelt und wirkt eher abführend.

 

 

Hier alle Rezepte mit Mispeln auf Authentisch-Italienisch-Kochen.de.

 

 

 

 

Fußnoten    (↵ zurück zum Text; ggf. geschlossenen Text zunächst öffnen)

  1. Viele weitere Rezepte (auf Italienisch) findet man hier und hier. (Letzter Zugriff: 02.07.18)

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