Prosciutto di Parma con melone

Der beliebte Antipasto Schinken mit Melone ist nicht nur lecker und schnell zubereitet, sondern hat einen ernährungstheoretischen Hintergrund, der bis auf Galenus von Pergamon (2. Jh. n.Chr.) zurückreicht.

Prosciutto di Parma con melone

Schinken mit Melone
schinken mit melone
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Menüfolge Antipasti
Menge (Standard) 2 Portionen
Menge (anpassbar) 2 Portionen
Vorbereitungszeit 5 Minuten
Kochzeit 1 minute
Arbeitszeit gesamt 6 Minuten
Kalorien 208 kcal

Zutaten

Anleitung

  • Melone aufschneiden und entkernen.
  • Den Schinken entweder von einem größeren Stück frisch abschneiden oder berits geschnittenen Schinken vorsichtig voneinander lösen und auf Tellern drappieren.
  • Melonenstücke zu bzw. auf den Schinken legen und gut gekühlt servieren.

Nährwerte

Kalorien: 208 kcal | Kohlenhydrate: 24 g | Protein: 9 g | Fett (gesamt): 8 g | ges. Fettsäuren: 3 g | mehrfach unges. Fettsäuren: 1 g | einfach unges. Fettsäuren: 4 g | Cholesterin: 22 mg | Natrium: 552 mg | Kalium: 742 mg | Ballaststoffe: 1 g | Zucker: 25 g | Vitamin A: 5220 IU | Vitamin C: 66 mg | Kalzium: 31 mg | Eisen: 1 mg

Umweltverträglichkeit

 

schinken mit melone

 

gemuesefahne_55Während in Deutschland Schinken mit Melone meist mit Honigmelonen zubereitet wird, greift man in Italien fast immer zu Cantalupo-Melonen. Diese waren schon vor ca. 4.000 Jahren in Griechenland und Ägypten bekannt. Um 1700 wurden sie in dem namensgebenden Dörfchen Cantalupo in Sabina (RI), etwa 50 Kilometer nördlich von Rom, im Park des Palazzo Camuccini Cesi wohl erstmals in Italien aus Samen (armenischer Herkunft) gezüchtet.[1]

 

prosciutto e melone

Bildinfo

Page URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Canteloupe_and_cross_section.jpg
File URL: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b1/Canteloupe_and_cross_section.jpg
Attribution: fir0002 flagstaffotos [at] gmail.com Canon 20D + Sigma 150mm f/2.8, GFDL 1.2 , attraverso Wikimedia Commons

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gemuesefahne_55Schinken mit Melone ist nicht nur ein Antipasto-Klassiker, sondern hat auch einen historischen Hintergrund. Bereits im 5. Jh. v.Chr. wurden Melonen aus Ägypten in Anrainerländer des Mittelmeers exportiert. Wie sie damals gegessen wurden, entzieht sich unserer Kenntnis, doch wir wissen, dass die Römer der Antike gerne Obst aßen und Melonen während der Römischen Kaiserzeit verbreitet waren.[2] Wenn sie auch nicht als ausgesprochene Fleischliebhaber gelten, so schätzten die Römer doch besonders den schon den Etruskern bekannten Schinken. Dieser hatte allerdings vermutlich wenig mit unserem heutigen Schinken zu tun und war eher ein Stück gesalzenes, rohes Fleisch, denn man kannte die Technik des Lufttrocknens noch nicht, die eine gesalzene Keule durch die Reifung im Laufe der Zeit in einen Schinken verwandelt.[3] Ob der damalige Schinken bereits mit Melone kombiniert wurde, entzieht sich unserer Kenntnis, doch die theoretische Grundlage für eine solche Kombination lieferte im 2. Jh. n.Chr. Galen.

Galen, auch Aelius Galenus oder Galenos von Pergamon, war ein vorwiegend in Rom tätiger Arzt und Anatom griechischer Herkunft, dessen Theorien über Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers die Heilkunde bis in die Renaissance maßgeblich prägte.[4] Er knüpfte an an die in der Philosophie entwickelte Vier-Elemente-Lehre, nach der alles Seiende durch die vier Elemente Luft, Wasser, Feuer und Erde (in unterschiedlicher Zusammensetzung) bestimmt ist. Ein weiterer Anknüpfungspunkt ist die von Hippokrates von Kos (ca. 460 – 370. v.Chr.) entwickelte Vier-Säfte-Lehre, nach der Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle unterschieden werden. Diesen vier Körperflüssigkeiten des Menschen ordnete Galen nicht nur die vier Primärqualitäten warm-feucht, kalt-feucht, warm-trocken und kalt-trocken zu, sondern auch vier Geschmacksqualitäten, nämlich süß, bitter, scharf und sauer sowie salzig:[5]

Element Körpersaft Primärqualität Geschmack
Luft Blut warm-feucht süß
Feuer gelbe Galle warm-trocken bitter
Erde schwarze Galle kalt-trocken scharf u. sauer
Wasser Schleim kalt-feucht salzig

 

Krankheiten entstanden nach Galen durch eine Störung des Gleichgewichts zwischen den Körpersäften. Um gesund zu bleiben bzw. zu werden, galt es also, durch eine zielgerichtete Ernährung das angestrebte Gleichgewicht zu erhalten bzw. wieder zu erlangen, was insbesondere mit Speisen möglich schien, die in sich unterschiedliche Geschmacksqualitäten aufweisen. Ein Beispiel für ein solches Gericht ist Schinken mit Melone: Die Melone galt (aufgrund ihres Wassergehalts) als kalt und feucht, während der Schinken als warm und trocken angesehen wurde, da die Schinken-Keule durch die Reifung eine Erhitzung und Trocknung erfährt – eine im Sinne Galens also sehr gesunde Speise.[6]
Schinken mit Melone ist beileibe nicht das einzige Gericht, das Galens Theorie zufolge diätisch geeignet ist: Andere, noch heute gern gegessene Speisen sind Schinken mit Feigen, Käse mit Birnen oder Pfirsiche mit Wein usw. Viele der in der italienischen Küche noch heute beliebten Gerichte des Typs agro-dolce sind vielleicht nicht auf der Basis von Galens Theorie entstanden, haben in ihr jedoch zumindest ihre theoretische Legitimation und erfreuen bis in die Gegenwart hinein den Gaumen, haben doch Galens Lehren für über 1500 Jahre die Heilkunde Europas geprägt. Im Mittelalter ging übrigens der Konsum von Melonen zurück, da diese als schwer verdaulich galten. Seit den 60er Jahren ist die Kombination Schinken und Melone allerdings wieder sehr „in“.

 

schinken mit melone

 

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Fußnoten    (↵ zurück zum Text; ggf. geschlossenen Text zunächst öffnen)

  1. So im deutschen Wikipedia. Im italienischen Wikipedia wird es etwas anders berichtet. (Letzter Zugriff: 23.03.21)
  2. Vgl. https://it.wikipedia.org/wiki/Cucumis_melo (Letzter Zugriff: 23.03.21)
  3. Vgl. https://www.ilsole24ore.com/art/prosciutto-e-melone-piatto-che-piaceva-antichi-e-fa-bene-salute-grasso-compreso-ACnAkhP (Letzter Zugriff: 23.03.21)
  4. Vgl. zum nachstehenden sehr grob zusammenfassenden Absatz ausführlicher https://de.wikipedia.org/wiki/Galenos#Werk (Letzter Zugriff: 23.03.21)
  5. Tabelle in Anlehnung an https://de.wikipedia.org/wiki/Humoralpathologie#Galen (Letzter Zugriff: 23.03.21)
  6. Vgl. https://www.qualivita.it/news/prosciutto-e-melone-labbinamento-perfetto-fin-dai-tempi-di-ippocrate/ (Letzter Zugriff: 23.03.21)

Ein Gedanke zu “Prosciutto di Parma con melone

  • 9. April 2021 um 13:45
    Permalink

    Immer wieder erfreut mich die Historie der Gerichte. Wir machen unseren Gästen gerne Speisen bei denen wir den Hintergrund erklären können.

    Antworten

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