Pettole

Zu verschiedenen Gedenktagen und Festen isst man in Süditalien gern frittierte Teigbällchen. Die aus Weich- und Hartweizen gemachten Bällchen werden manchmal auch gefüllt.
Pettole
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Frittierte Teigbällchen
Menge 12 Stück
Vorbereitung 15 Minuten
Kochzeit 15 Minuten
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Frittierte Teigbällchen
Menge 12 Stück
Vorbereitung 15 Minuten
Kochzeit 15 Minuten
Zutaten
Portionen / Menge: Stück
Anleitungen
  1. Hefe in ein Schälchen zerbröseln und mit 2 EL lauwarmem Wasser auflösen.
  2. Mehl, Zucker und 1 TL Salz in eine Schüssel geben, alles vermengen, in der Mittel des Mehls eine Mulde formen und Hefe hineingießen.
  3. Mit dem Handmixer (mit Knethaken) unter tröpfchenweisem (!) Hinzugeben von lauwarmem Wasser zu einem Teig verarbeiten, der so trocken ist, dass er gerade nicht mehr klebt.
  4. Die Teigkugel in der Schüssel mit einem Handtuch bedecken und 3 Stunden an einem warmen, nicht zu hellen Ort gehen lassen, bis das Teigvolumen sich in etwa verdoppelt hat.
  5. Öl in der Fritteuse auf ca. 170 ° erhitzen und dann mit einer Hand kleine Teigportionen (ca. 12 Stück) abzupfen und im Öl frittieren. (Die Teigportionen sollen keine regelmäßige Form haben.)
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pettole

 

gemuesefahne_55Pettole sind eine Teigspeise, die frittiert wird, d. h. eigentlich ist es nur frittierter Teig. Pettole sind sehr typisch für Süditalien. Aus Apulien stammen sie wohl und dort werden sie auch sehr intensiv verspeist, doch auch in Basilikata, Kalabrien und Kampanien (dort Zeppolette di pasta oder Paste crisciute genannt) werden sie gern in der kälteren Jahreszeit gegessen. Sehr oft sind sie im lokalen Bereich mit dem kulinarischen Brauchtum eines bestimmten Ortes aus Anlass der Gedenkfeier für einen Heiligen o.ä. verbunden. Um ein paar Beispiele nur aus der Region Apulien zu nennen: In Foggia isst man sie mittags am Heiligabend als spuntino. Etwas weiter südlich in Brindisi (am Rande des Salento) werden Pettole schon weit vorher am Vorabend des Tags der Unbefleckten Empfängnis (8. Dezember) frittiert, während man sonst im apulischen Salento erst am 8. Dezember selbst die Pfannen erhitzt. Aber im Salento ist nicht nur das Fest der Unbefleckten Empfängnis (Immacolata) Anlass zur Zubereitung von Pettole, sondern man beginnt dort z.B. in Lecce die Pettole-Saison schon mit dem Tag des Hl. Martin am 11. November. In Gallipoli, ebenfalls im Salento, beginnt man noch viel früher mit der Zubereitung von Pettole, nämlich am 15. Oktober anlässlich des Festes der Hl. Theresia von Avila. Zeitlich in der Mitte liegen etwa Taranto am ionischen Meer, wo man mit Pettole am 22. November die Heilige Cäcilie feiert, und Rutigliano im südlichen Barese, wo es am 25. November um die Hl. Katharina von Alexandria geht. Und damit sind nur ein paar Daten und Festanlässe zum Verspeisen von Pettole in Apulien genannt … Pettole sind also sozusagen der Joker der kulinarischen Gedenk- und Festkultur in Süditalien.

 

gemuesefahne_55Den vielen Anlässen zum Verspeisen von Pettole entsprechen viele Zubereitungsarten. Man kann sie in der klassischen, neutralen Version zubereiten, die ich hier oben vorgestellt habe. Es gibt jedoch auch eine süße Variante, die einfach durch Hinzufügen von ein wenig Zucker zum Teig entsteht. Komplizierter sind da schon die salzigen Varianten, bei denen vor der Frittur etwas Salziges in den Teig gesteckt wird, das dann vom Teig umhüllt wird. Je nach lokalem Brauch oder persönlichem Geschmack können dies Schinkenstückchen, gekochter Kohl, Oliven, Bröckchen von Parmesan, gesalzene Anchovis, rohe Miesmuscheln, frittierter Stockfisch usw. sein.

 

gemuesefahne_55Da in Taranto auch heute noch die Tradition, zu Santa Cecilia Pettole zuzubereiten, sehr lebendig ist und damit auch eine schöne Legende verbunden ist, will ich beispielhaft die dortige Tradtion etwas näher beleuchten. Die Legende lautet ungefähr wie folgt: Da die Heilige Cäcile die Patronin der Musiker ist, kamen früher die Wanderhirten aus den Abruzzen am Tag der Hl. Cäcilie nach Taranto und musizierten dort in den Straßen. Und eines Jahres begab es sich am Tag der Hl. Cäcilie, dass eine fleißige Hausfrau, die gerade dabei war, Brotteig herzustellen, die Musik der Hirten hörte, davon angezogen wurde, das Haus verlies und am Treiben auf der Straße teilnahm. Als sie nach einiger Zeit wieder nach Haus kam, war der Brotteig ruiniert. Aus Frust warf sie die Teigbällchen in brodelndes Öl. Ihre Kinder entdeckten die frittierten Teigstücke, machten sich über sie her und hatten eine neue Lieblingsspeise entdeckt. Da die Pettole bei ihren Kindern so gut ankamen, entschied sich die Mutter, nachdem sie den ganzen Teig frittiert hate, davon den musizierenden Hirten etwas anzubieten, die natürlich die Teigbällchen auch sehr lecker fanden und seitdem jedes Jahr zu Santa Cecilia nach Taranto kommen und gegen Verköstigung mit Pettole in der ganzen Stadt musizieren. Soweit die schöne Legende – die Wirklichkeit sah natürlich prosaischer aus, denn in Zeiten, in denen es noch keine Küchenmaschinen, elektrische Mixgeräte usw. gab, war die Teigherstellung für Pettole ein schwieriges Unterfangen: Die Familien waren groß, und so musste viel Teig hergestellt werden. Pettole aß man den ganzen Tag und nicht nur zu einer Mahlzeit, also musste noch mehr Teig hergestellt werden. Und dieser musste dann auch noch per Hand stundenlang geknetet werden, damit der Teig möglichst viel Luft aufnahm, um gut aufgehen zu können. Eine ziemlich anstrengende, langwierige Arbeit. Und dieses Gehen (bis das Teigvolumen sich verdoppelt hat) dauerte dann auch noch ein paar Stunden. Tatsächlich standen die Hausfrauen mitten in der Nacht vor dem Fest auf und machten sich an die Teigherstellung, denn die erste Portion Pettole gab es bereits zum Frühstück: Wenn im Morgengrauen die ersten Musikanten durch die Stadt zogen, wurden auch die ersten Pettole des Tages gegessen. Am Nachmittag von Santa Cecilia beginnt in Taranto dann die Weihnachtszeit, denn dann werden bereits die Krippen und Tannenbäume geschmückt.

 

gemuesefahne_55Der Name Pettole soll sich übrigens von der Antwort herleiten, die die oben vorgestellte Erfinderin der Pettole ihren Kindern auf die Frage, wie denn dieses Gericht heiße, gegeben haben soll, nämlich Pettel (Pitta nennt man im Dialekt eine Focaccia und Pettel bedeutet dann eine kleine Focaccia). Pettole ist übrigens der gebräuchlichste Name der frittierten Teigkugeln – es versteht sich von selbst, dass die Vielzahl lokaler Anlässe, Tradionen und Zubereitungsweisen natürlich auch ebenso viele unteschiedliche Namen (z.B. pìttule) hervorgebracht hat.

 

Hier findest du mehr Rezepte aus Apulien.

 

 

Pettole
Frittierte Teigbällchen

Nährwertangaben
Pettole
Menge pro Portion
Gesamt-Kalorien kcal 144 Kalorien aus Fett kcal 4
% des Tagesbedarfs*
Fett gesamt 0.4g 1%
Gesättigte Fettsäuren 0.1g 1%
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren 0.2g
Einfach ungesättigte Fettsäuren 0.1g
Natrium 162mg 7%
Kalium 64mg 2%
Kohlehydrate gesamt 31g 10%
Ballaststoffe 2g 8%
Zucker 0.4g
Protein 5g 10%
Vitamin A 0.002%
Kalzium 1%
Eisen 4%
* Prozentualer Tagesbedarfsanteil bei einer 2000-Kalorien-Diät

Nährwertangaben ohne das Olivenöl zum Frittieren.

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