San Martino

Gerichte zum Tag des Martin von Tours (11.11.)
san martino
Simone Martini: San Martino teilt seinen Mantel
1322/26, Fresko, Assisi (San Francesco inferiore)

Bildinfo

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San Martino ist ein besonders in Frankreich verehrter Heiliger, wo er 372 zum Bischof von Tours geweiht wurde. Seine Popularität verdankt Martin von Tours neben dem Vollbringen einiger Wunder einem relativ asketischen Lebensstil und einer fürsorglich Haltung gegenüber den Armen, wie sie insbesondere in der Geschichte zum Ausdruck kommt, nach der er seinen Mantel mit einem Bettler teilte. Auch in Italien wird Martin sehr verehrt, und zwar weniger durch kirchliche Prozeduren als in Form von volkstümlichen – sein Gedenktag am 11.11., dem Tag, an dem er 397 in Tour begraben wurde, fällt in die Zeit, in der der neue Wein erstmals genossen werden kann, und so wird Martin oft mit einem Gläschen Vino nuovo, gerösteten Maronen und lokalem Gebäck im Rahmen kleiner Zusammenkünfte oder gar Volksfeste gedacht. Diese haben jedoch nicht nur einen religiösen Anlass (nämlich das Gedenken an Martin), sondern früher war San Martino der Tag, an dem die für eine Saison abgeschlossenen Arbeitsverhältnisse der Landarbeiter ausliefen, ebenso wie die Pachten, und es musste bezahlt und neu verhandelt werden, gegebenfalls sogar ausgezogen werden, wenn die Pächter oder Tagelöhner keinen neuen Vertrag bekamen. Dies geschah bzw. geschieht übrigens (theoretisch) bei spätsommerlichen Temperaturen: Estate di San Martino heißt auf Italienisch das, was wir Altweibersommer oder Spätsommer nennen – warmes Wetter also zu einer Zeit, wenn wir schon mit Schal und Handschuhen herumlaufen …! Unser Neid sollte sich jedoch in Grenzen halten, denn es gibt in Italien auch ein Sprichwort, das da lautet: L’estate di San Martino: tre giorni e un pocolino, also: Drei Tage und ein bisschen, länger dauert das warme Wetter wohl auch in Italien nicht mehr Anfang November.

Kulinarisch ist San Martino vor allem durch Süßigkeiten geprägt. Um nur einige zu nennen: Besonders bekannt sind die sizilianischen gebackenen Biscotti di San Martino, aber auch frittierte Crispelle di San Martino werden in Sizilien gern gegessen. Oder im benachbarten Kalabrien isst man Pitta di San Martino, ein Gebäck, das mit getrockneten Feigen, Nüssen und Rosinen gefüllt ist.

Die in Deutschland bekannte Martinsgans gibt es in Italien nur bedingt. Zwar bieten viele Restaurants um den Sankt-Martins-Tag in verschiedenen Varianten zubereitete Speisen mit Gänsen an (in Padua gibt es eigens einen entsprechenden Restaurantführer!), doch dabei scheint es sich eher um (überspitzt formuliert:) Globalisierungstrends zu handeln – von Ausnahmen abgesehen, ist das Gänseessen an Sankt Martin jenseits der Alpen kein kulinarisches Muss. Lediglich im Friauli, in Venetien, in der Lombardei und in der Romagna gibt es eine Verknüpfung von San Martino und Gans[1], die sich auch in Sprichwörtern wie
Oca, castagne e vino – tieni tutto per San Martino (dt.: Gans, Kastanien und Wein – behalte alles für den Sanktmartinstag zurück) oder
Chi no magna oca a San Martin – no fa el beco de un quatrin (dt.: Wer am Martinstag keine Gans isst – wird nie zu Geld kommen)
niedergeschlagen hat. In Venetien gibt es neben Rezepten zur Zubereitung von Gänsen auch solche zu deren Konservierung: Bei Oca in onto oder Oca in pignatto geht es um das Haltbarmachen von Gänsefleisch für den langen Winter – Techniken aus der Vor-Kühlschrank-Zeit, deren Wiederentdeckung von Slowfood gefördert wird.[2] Dass Gänse nicht unbedingt am 11.11. und damit im Winter gegessen werden, zeigt auch ein der Gans gewidmetes Volksfest, die Sagra dell’oca in Bettona (PG) in Umbrien, die nicht im November sondern in der größten Sommerhitze Ende Juli / Anfang August stattfindet, weil dann nämlich angeblich die Gänse am besten schmecken. Insofern kann man in Italien am 11.11. Gans essen, muss es aber nicht.

Alle auf Authentisch-Italienisch-Kochen.de veröffentlichten Rezepte von Gerichten, die in Italien zu San Martino am 11. November gern gegessen werden, findest du nachstehend mit Bild und Einlesetext aufgelistet.

 

Außerdem gibt es
–  eine Übersicht über alle kalendarischen Anlässe (wie z.B. Weihnachten), zu denen typische Gerichte gekocht werden;
–  den Speise-Kalender, in dem alle Tage aufgeführt sind, die mit typischen Gerichten verknüpft sind;
–  eine Übersicht über alle Gerichte, die zu einem bestimmten kalendarischen Anlass gekocht werden.

 

 

 

Fußnoten    (↵ zurück zum Text; ggf. geschlossenen Text zunächst öffnen)

  1. Vgl. https://www.lacucinaitaliana.it/news/in-primo-piano/san-martino-tradizioni/ (Letzter Zugriff: 30.10.19)
  2. Vgl. https://www.fondazioneslowfood.com/it/presidi-slow-food/oca-in-onto/ (Letzter Zugriff: 30.10.19)

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