San Nicola di Bari

Gerichte zum Tag des Nikolaus von Myra (06.12.)
san nicola
Fra Angelico: Tod und Himmelfahrt des San Nicola
Predella (Detail) der Pala di Perugia[1], um 1437, Tempera/Holz, Rom (Pinacoteca Vaticana)

San Nicola (270/286 – 325/365) ist ein frühchristlicher Heiliger und lebte in der heutigen Türkei. Mit seinem Wirken sind zahlreiche Legenden verbunden, nach denen Nikolaus von Myra verschiedenste Wunder vollbrachte, vor allem heilte und rettete er in Not geratene Mitmenschen. Mit seinem Gedenktag, dem 6. Dezember, ist allerdings auch eine unschöne Seite seines Wirkens verbunden, denn ausgerechnet an einem 6. Dezember, der der griechischen Göttin Artemis gewidmet war, ließ er als Bischof von Myra den dortigen Artemis-Tempel zerstören. Ein religiöser Eiferer also, der vor Gewalt gegen Andersgläubige offenbar nicht zurückschreckte. Auch seine Verehrer waren nicht zimperlich und stahlen 1023 die Gebeine des Heiligen aus der Nikolaus-Basilika in Myra und brachten sie nach Bari in Apulien. Dort entstand dann die heute noch bestehende Basilica San Nicola und jedes Jahr wird nicht nur am Gedenktag in Bari gefeiert, sondern auch am sogenannten Translationtag, dem 8. Mai, finden Feiern zu Ehren des Heiligen statt. Dieser wird im gesamten christlichen Abendland nach wie vor sehr verehrt, wenn auch seine Popularität etwas eingebüßt hat: Galt doch früher der Nikolaustag und nicht Weihnachten als der Festtag, an dem die Kinder beschenkt wurden. Dies hat sich in den letzten 500 Jahren zugunsten von Weihnachten verschoben, wenngleich in einigen Regionen (in Italien u.a. in Bari) sich der altherbegrachte Brauch des Schenkens am Nikolaustag (bislang) erhalten hat.[2]

Da Bari sich den größten Anteil der sterblichen Überreste des Heiligen hat sichern können, verwundert es nicht, wenn dort der Nikolauskult besonders ausgeprägt ist. Dies gilt auch in kulinarischer Hinsicht: Am Morgen beginnt man mit heißer Schokolade, zu der Löffelbisquitts (savoiardi) gegessen werden. Ist der Hunger dann größer, speist man an in der Altstadt aufgebauten Frittierbuden Sgagliozze, was frittierte Maismehl-Happen sind. Bohnen sind hingegen der Hauptbestandteil der Zuppa di fave di San Nicola, die man in dem kleinen Dörfchen Pollutri (CH) in den Abruzzen an San Nicola auch heute noch zubereitet. Dies geschieht aus Dankbarkeit für die Errettung der Bevölkerung Pollutris im Mittelalter, als der Legende zufolge während einer schlimmen Hungersnot San Nicola dem Dorf viele Bohnen zukommen ließ und es dadurch rettete. Das gemeinschaftliche Kochen einer Bohnensuppe durch die Dorfbevölkerung (schöne Bilderstrecke!), die damit an die Errettung erinnert, ist seit 1703 nachweisbar. Ebenfalls mit einer Suppe gedenkt man San Nicola in Umbrien, doch nicht Bohnen sondern Emmer ist der Hauptbestandsteil der Minestra di farro di San Nicola. Emmer (Zweikorn) ist in Umbrien ein lokales Produkt und wird vor allem im Raum Spoleto angebaut. Dass solche gehaltvollen Speisen mit dem Gedenktag eines Heiligen verbunden sind, ist jedoch die Ausnahme und zeugt von der Popularität von San Nicola, denn oft sind es nur Süßigkeiten und Gebäck, die aus Anlass eines solchen Festes hergestellt werden. Auch solche gibt es natürlich zu Sankt Nikolaus, bspw. in Sizilien die Panuzzi. Diese entsprechen weitgehend den schon im Zusammenhang mit Sankt Martin vorgestellten Biscotti di San Martino (Tricotto), haben aber insofern zu San Nicola einen besonderen Bezug, als sie an die drei Goldbeutel erinnern sollen, mit denen San Nicola drei arme Frauen vor der Prostitution bewahrte und die auch zu seinen Heiligenattributen gehören.

panuzzi
Panuzzi siciliani

Alle auf Authentisch-Italienisch-Kochen.de veröffentlichten Gerichte, die in Italien zu San Nicola am 6. Dezember gern gegessen werden, findest du nachstehend mit Bild und Einlesetext aufgelistet.

 

Außerdem gibt es
–  eine Übersicht über alle kalendarischen Anlässe (wie z.B. Weihnachten), zu denen typische Gerichte gekocht werden;
–  den Speise-Kalender, in dem alle Tage aufgeführt sind, die mit typischen Gerichten verknüpft sind;
–  eine Übersicht über alle Gerichte, die zu einem bestimmten kalendarischen Anlass gekocht werden.

 

 

 

Fußnoten    (↵ zurück zum Text; ggf. geschlossenen Text zunächst öffnen)

  1. Vgl. https://it.wikipedia.org/wiki/Pala_di_Perugia (Letzter Zugriff: 05.11.2016)
  2. Vgl. https://it.wikipedia.org/wiki/San_Nicola_di_Bari#Il_culto_in_Italia (Letzter Zugriff: 05.11.2016)

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