Weltnudeltag

Am Weltnudeltag, der am 25.10. eines jeden Jahres begangen wird, wird von der Pasta-Industrie das öffentliche Interesse auf die Nudel zu lenken versucht. Aber man kann natürlich (nicht nur an diesem Tag) auch Nudeln essen … Wir nehmen den Weltnudeltag zum Anlass, um über ihn, seine Geschichte, aber auch über Probleme bei der Nudelherstellung zu informieren. Und verraten natürlich alle unsere Pasta-Rezepte …

 

weltnudeltag

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Am 25. Oktober ist der Weltnudeltag, auf Italienisch Giornata mondiale della pasta. Nun gibt es viele solcher kuriosen Tage, besonders in den USA, wo man zudem einen Spaghetti-Tag (04.01.), einen Tortellini-Tag (13.02.), einen Ravioli-Tag (20.03.), einen Maccheroni-Tag (07.07.) und einen Lasagne-Tag (29.07.) feiert, um nur einige wichtige Nudel-„Festtage“ zu nennen. Daneben gibt es natürlich „Festtage“ für -zig andere Lebensmittel, von sonstigen Kuriositäten ganz abgesehen.[1] In der Regel werden aber wohl solche Tage gar nicht festlich von der Bevölkerung begangen, sondern sie dienen bestimmten Teilen der Nahrungsmittelindustrie, um ihr jeweiliges Produkt öffentlichkeitswirksam in Szene zu setzen.

 

Und ehrlich gesagt ist es beim Weltnudeltag nicht viel anders: Er wurde auf dem Jahrestreffen des europäischen Nudel-Interessenverbands UN.A.F.P.A am 25.10.1995 in Rom verkündet, und der Pasta-Genuss ist an diesem Tag wohl weder weltweit noch in einzelnen Ländern signifikant höher. Anders aber als bei anderen solcher Tage haben beim Weltnudeltag tatsächlich die großen Firmen der Nudel-Branche mitgemischt – auf italienischer Seite der Verband AIDEPI (Associazione delle Industrie del Dolce e della Pasta Italiane), in dem die großen und kleinen Pasta-Hersteller Italiens organisiert sind. Gleichwohl ist natürlich eines der Hauptziele des Weltnudeltags, „die Aufmerksamkeit der Medien und der Konsumenten auf die Pasta zu lenken,“[2] wie die AIDEPI selbst zugibt.

 

Auch wenn es wohl bislang nicht gelungen ist, am Weltnudeltag die Italiener mehr Nudeln als an anderen Tagen essen zu lassen, nehmen wir diesen Tag doch zum Anlass, ein ein wenig über die Pasta nachzudenken. Dass Pasta nicht nur Sättigungsbeilage ist, wie das so schön in der DDR genannt wurde, sondern in Italien einen eigenständigen wichtigen Gang in der Menüfolge, den sogenannten Primo, ausmacht, ist allseits bekannt. Beilage zum Fleisch, dem Secondo, sind Brot, Salat oder Gemüse, niemals aber Nudeln. Und wenn beim Fleisch eine Kartoffel liegt, dann deshalb, weil sie zu den Gemüsen zählt. Hinlänglich bekannt ist auch, dass die Italiener nach wie vor Weltmeister im Nudelessen sind: Der Pro-Kopf-Verbrauch belief sich 2016 auf 25,3 kg pro Person im Jahr.[3] Wir Deutschen belegen mit 8 kg hingegen weltweit nur einen schwachen zwölften Platz. Dabei wissen wir allerdings Qualität zu schätzen, sind doch über 50 % der hierzulande verzehrten Nudeln italienische Importware.

 

Marinetti
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Auch wenn Filippo Tommaso Marinetti, der Anführer der Futuristen[4], 1930 im faschistischen Italien die Nudel verdammte, da sie „Schwäche, Pessimismus, Inaktivität, Nostalgie und Neutralismus“ fördere, haben solche kritischen (und meist wenig fundierten) Einwände den weltweiten Siegeszug der Nudel nicht bremsen können, so dass Philipp Wurm sie zu Recht in der Süddeutschen „das prototypische Lebensmittel der Globalisierung“[5] nannte.

Diese Globalisierung, die ihre Triebkraft aus unterschiedlichen (nicht nur italienischen) Nudeltraditionen bezieht, hat aber durchaus auch ihre Schattenseiten. Eine dieser Schattenseiten ist, dass der Rohstoff für Nudeln zwar weltweit gehandelt wird, doch die Produktionsbedingungen nicht weltweit restriktiv auf das Wohl des Konsumenten hin ausgerichtet sind. Konkret geht es um Vgl. ausführliche, bebilderte (Lebenmittelinfo-Seite WeizenmehlHartweizen.[6] Je nach Ernteertrag reicht der italienische Hartweizenanbau nur für rund zwei Drittel der hergestellten Hartweizennudeln. Obwohl Italien der größte Hartweizenanbauer weltweit ist, muss es also Hartweizen importieren, und dies tut es vor allem aus Kanada. Dort ist aber im Gegensatz zu Italien die Nutzung des umstrittenen Pflanzen“schutz“mittels Glyphosat beim Anbau von Hartweizen legal. Insofern gelangt mit Glyphosat behandelter Hartweizen nach Italien, wird dort zu Hartweizennudeln verarbeitet und dann von italienischen Konsumenten gegessen, denen angesichts des italienischen Glyphosatverbots nichts Böses schwant. Ebenso trifft es Pastakonsumenten in aller Welt, denn ca. 80 % der auf der Welt verzehrten Hartweizennudeln werden in Italien produziert.

 

Unkrautbekämpfung mit einem Glyphosat-basierten Herbizid in einem Olivenhain auf Korfu

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Wenn schon ein Glyphosatverbot weltweit oder wenigstens ein entsprechendes Importverbot in die EU nicht durchsetzbar ist, dann müsste der Verbraucher wenigstens durch entsprechende Hinweise gewarnt werden. So mag die italienische Regierung gedacht haben, die 2017 das Ministerialdekret Nr. 113552/2017 erließ.[7] Dieses sieht vor, das ab Februar 2018 auf der Verpackung von Hartweizennudeln folgende Informationen verpflichtend zu veröffentlichen sind: das Land, in dem der Hartweizen angebaut worden ist, sowie das Land, in dem er gemahlen wurde. Zu bemängeln an dieser Vorschrift ist nicht nur, dass es möglich ist, sehr vage Angaben wie „Nicht-EU“ oder (bei Mischungen) „EU und Nicht-EU“ zu machen, sondern vor allem, dass jeglicher Hinweis auf beim Anbau benutzte umstrittene Substanzen fehlt. So ist es nämlich dem Verbraucher kaum möglich, Rückschlüsse auf die Verwendung von Glyphosat und ähnlichem zu ziehen. Fazit: Ein wohl ursprünglich gut gemeintes Gesetz, dessen Realisierung allerdings nicht annähernd das Problem löst. Dass es überhaupt zu dieser Regelung gekommen ist, ist wohl vor allem den Protesten kleinerer Pastahersteller, die glyphostatfreie Pasta produzieren möchten, geschuldet – die großen Pastahersteller und der oben schon genannte Pasta-Interessenverband AIDEPI, der uns den Weltnudeltag beschert hat, haben jedenfalls eifrig auch diese bescheidene Reform bekämpft.[8]

 

Pasta-Sorten
Carlo Brogi (1850-1925): „Napoli – Maccheronaio napoletano – Scena dal vero“

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Attribution: Carlo Brogi (1850-1925) – „Napoli – Maccheronaio napoletano – Scena dal vero“. Numero di catalogo: 10458.

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Auch wenn der Interessenverband der Nudelhersteller offenbar kritisch zu betrachten ist, sollten wir uns die Lust auf Pasta nicht vermiesen lassen (weshalb ich auch nur am Rande auf Cadmium- und Blei-Spuren in bekannten Pastaprodukten hinweise, die bei einem Test von GranoSalus[9] festgestellt wurden …).

 

Hier also alle unsere Nudel-Gerichte (Primo) – nicht nur am Weltnudeltag zu genießen. Buon appetito!

 

Pasta-Gerichte (als Primo)
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Mehr Lust auf Nudeln? Hier die Seiten über Pasta-Sorten oder Pasta selbst machen und Nudeln richtig kochen auf A-I-K.de.

 

 

 

 

Fußnoten    (↵ zurück zum Text; ggf. geschlossenen Text zunächst öffnen)

  1. Solche Kuriositäten gibt es nicht nur in den USA, sondern auch in Italien, wie der von dem Movimento Cinque Stelle ausgerufene Vaffanculo-Day (Leck-mich-am-Arsch-Tag) zeigt. (Letzter Zugriff: 24.10.2018)
  2. http://www.pasta-unafpa.org/pasta-day.htm (Letzter Zugriff: 24.10.2018)
  3. https://www.meinbauch.net/weltnudeltag/ (Letzter Zugriff: 24.10.2018)
  4. Vgl. Stichwort Futurismus in Wikipedia (Letzter Zugriff: 24.10.18)
  5. Philipp Wurm: Immer auf die Nudel, in: SÜddeutsche Zeitung v. 17.05.2010, online (Letzter Zugriff: 24.10.2018)
  6. Vgl. Dominik Straub: In Italien tobt der Pasta-Krieg, in: Der Standard v. 20.10.2017, online (Letzter Zugriff: 24.10.2018)
  7. Vgl. https://www.roedl.de/themen/italien-verbraucherschutz-herkunftsland-kennzeichnungspflicht (Letzter Zugriff: 24.10.2018)
  8. Vgl. Anm. 6
  9. Vgl. http://www.inuovivespri.it/2017/02/27/granosalus-i-risultati-delle-analisi-sulla-pasta-barilla-voiello-de-cecco-divella-garofalo-la-molisana-coop-e-granoro-100-puglia/ (Letzter Zugriff: 24.10.2018)

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